2. September 2014
"Das Unionsrecht und der Wettbewerb der Rechtsordnungen"
Ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Hellwig, Frankfurt am Main
um 18.00 Uhr c.t. im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, 2. OG, Neue Mainzer Str. 49, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen im Parkhaus Junghofstraße oder Goetheplatz.

Zum Referenten: Prof. Dr. Hans-Jürgen Hellwig, geb. 1940; Jura-Studium an den Universitäten Marburg, Lausanne und Bonn; 1964 Erste Juristische Staatsprüfung (NRW); 1967 Promotion an der Universität Bonn; 1968 Zweite Juristische Staatsprüfung (NRW); anschließend Tätigkeit bei einer Kanzlei in Washington D.C. und einer Investmentbank in New York. Seit November 1969 Rechtsanwalt in Frankfurt am Main. Partner der Sozietät Hengeler Mueller (vormals Mueller Weitzel Weisner); Managing Partner 1994 - 1998; Inaktiver Partner seit 2005. Tätigkeitsschwerpunkte deutsches und europäisches Gesellschafts- und Berufsrecht. 1972 - 1997 Stadtverordneter in Frankfurt am Main, 1981 - 1984 Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. 1993 - 2011 Mitglied des Vorstands des Deutschen Anwaltvereins (DAV), 1993 - 2002 und 2009 - 2011 Mitglied des Präsidiums des DAV mit Zuständigkeit für alle europäischen und internationalen Angelegenheiten. 2000 - 2002 Leiter der deutschen Delegation beim Rat der Europäischen Anwaltschaften (CCBE) in Brüssel; 2003 Erster Vizepräsident und 2004 Präsident des CCBE. Mitglied mehrerer rechtspolitischer Ausschüsse von DAV und CCBE. Bei DAV und CCBE Begleitung zahlreicher unionsrechtlicher oder unionsrechtlich relevanter Initiativen. Seit 1995 Lehrauftrag (seit 2000 Honorarprofessur) für Europäisches Gesellschaftsrecht an der Universität Heidelberg. 2013 Auszeichnung mit der Ehrenmitgliedschaft und der Walter-Oppenhoff-Medaille des DAV

Zum Vortrag: Weithin bekannt ist die Tatsache, dass auf vielen Gebieten nationale Rechtsordnungen miteinander im Wettbewerb stehen, beim materiellen Recht wie beim Prozessrecht. Weithin unbekannt ist, dass dieser Wettbewerb innerhalb Europas durch die unionsrechtlichen Grundfreiheiten erheblich intensiviert wird - indem Unionsbürger ihre primärrechtlichen Grundfreiheiten ausüben, kann es zu einem Export der eigenen Rechtsordnung in die anderen Mitgliedstaaten kommen, wodurch die anderen Rechtsordnungen unter Druck geraten. Der deutsche Gesetzgeber musste beispielweise auf den Erfolg der englischen Limited in Deutschland mit einer Änderung des deutschen Gesellschaftsrechts reagieren. Eine nationale Rechtsordnung kann im Wettbewerb der Rechtsordnungen entscheidende Vorteile erringen, wenn es ihr gelingt, mit ihren Vorstellungen den Inhalt sekundärrechtlicher Normen des Unionsrechts zu prägen (Richtlinien und Verordnungen), die dann für alle Mitgliedstaaten verbindlich werden. England hat im Gesellschafts-, Bilanz- und Kapitalmarktrecht dieses "Spiel über die Brüsseler Bande" mit großem Erfolg betrieben. Schließlich kann das Unionsrecht als eigenständiger Player im Wettbewerb der Rechtsordnungen auftreten, wie die zunehmende Konkurrenz der europäischen Aktiengesellschaft SE für die deutsche AG zeigt.