6. November 2014
"Die Büchse der Pandora. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert"
Ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. Jörn Leonhard, Freiburg im Breisgau
um 18.00 Uhr c.t. im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, 2. OG, Neue Mainzer Str. 49, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen im Parkhaus Junghofstraße oder Goetheplatz.

Zum Referenten: Professor Dr. Jörn Leonhard, geb. 1967, studierte 1987-1994 Geschichte, Politische Wissenschaft und Deutsche Philologie in Heidelberg und Oxford; 1992 Master of Studies in Modern History in Oxford; 1994 Magister in Heidelberg; 1998 Promotion in Heidelberg; 1998-2003 Fellow and Tutor in Modern History, in Oxford; 2001 Visiting Research Fellow der Alexander-vonHumboldt-Stiftung am German-American Center for Visting Scholars in Washington/DC; 2003/04: Stipendiat am Historischen Kolleg, München; 2004 Habilitation an der Universität Heidelberg; 2004 bis 2006 Hochschuldozent für Westeuropäische Geschichte in Jena; seit 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Westeuropäische Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 2007 bis 2012 Gründungsdirektor der School of History am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS); 2012/13 Visiting Fellow am Minda de Gunzburg Center for European Studies, Harvard University. Auszeichnungen u.a.: Preis des Deutschen Historischen Instituts London 1998 und Wolf-ErichKellner Preis 1999 für die Dissertation, 2002 Wahl zum Fellow of the Royal Historical Society London, Werner-Hahlweg-Preis 2006 für die Habilitation, Landesforschungspreis Baden-Württemberg 2010.

Zum Vortrag: Der Erste Weltkrieg sprengte alles, was sich die Welt vor 1914 hatte vorstellen können. Er wirkte wie die Büchse der Pandora - jenes mythische Schreckensgefäß, aus dem alle Übel der Welt entwichen, als man gegen den Rat der Götter seinen Deckel hob. Es gibt kein Verständnis unserer Gegenwart ohne Kenntnis dieses Krieges, mit dem das 20. Jahrhundert begann. Was also war der Erste Weltkrieg? Man kann ihn als Scharnier verstehen: zwischen dem 19. Jahrhundert mit seinen Errungenschaften und Zukunftshoffnungen und dem 20. Jahrhundert der ideologischen Extreme und der totalisierten Gewalt. Dabei fallen sofort seine enorme Vielfalt und Dynamik auf: räumlich im Blick auf Staaten, Nationen und Imperien in Europa und weit darüber hinaus, zeitlich im Fokus auf die dynamische Veränderung der Handlungsspielräume, generell schließlich in der Auseinandersetzung mit den militärischen Entwicklungen, den Heimatfronten und den ganz konkreten Erfahrungen der Zeitgenossen: von Militärs, Politikern und Schriftstellern, von Männern und Frauen, von Soldaten und Arbeitern. Und schließlich endeten die beispiellosen Gewalterfahrungen seit 1914 nicht mit den Friedensverträgen nach 1918, sondern setzten sich in Europa und der ganzen Welt im Namen radikaler Ideologien fort. Der Vortrag stellt den Krieg daher vor allem als Erfahrungsumbruch der Zeitgenossen dar.