8. November 2012
Gemeinsam mit dem Akademischen Zentrum Rabanus Maurus
und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen
veranstaltet die FJG ein juristisch-theologisches Kolloquium mit dem Thema


"Biopatente - Pro und Contra"
mit
Herrn Professor Dr. Günter Virt, emeritierter Professor für Moraltheologie an der Universität Wien
Herrn Dr. Arno Hartmann, Leiter der Patentabteilung Pharma der Merck KGaA in Darmstadt

um 18.00 Uhr c.t. im Hörsaalgebäude der Hochschule Sankt Georgen, Offenbacher Landstrasse 224, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen auf dem Gelände der Hochschule. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Hochschule mit den Straßenbahnlinien 15 und 16 (Haltestelle Balduinstrasse) erreichbar.

Zum Thema: Die Biopatentrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft vom 6. Juli 1998 erlaubt Patente auf "biologisches Material", auch wenn dieses in der Natur schon vorhanden war. Mit der Patentierung von Genen, Zellen und Organismen wird das Patentrecht folgenreich verändert. Galt die Natur früher als Teil des Lebens and nicht als Erfindung einzelner Forscher, können seit einigen Jahren auch gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere sowie ihre Teile und Gene patentiert werden. Wird damit aber nicht die für die Vergabe von Patenten klassische Unterscheidung zwischen Erfinden und Entdecken aufgehoben? Im Bündnis mit Bauernverbänden und Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen protestieren auch kirchliche Einrichtungen, wie z.B. Misereor, gegen Patente auf Tiere und Pflanzen.

Aber auch die Befürworter von Biopatenten können starke und plausible Argumente ins Feld führen: Innovative Arzneimittel bedürfen des Patentschutzes. Das gilt auch für biotechnologische Erfindungen, die vielen wichtigen Arzneimittel der Zukunft zugrunde liegen. Diese für den medizinischen Fortschritt unverzichtbare Forschung und Entwicklung ist kostspieliger als die in vielen anderen Sparten der Wissenschaft und der pharmazeutischen Industrie. Zu dem Aufwand kommen kommerzielle Risiken hinzu. Der wirtschaftliche Erfolg aufwändiger Entwicklungsarbeiten ist nicht selbstverständlich und bleibt häufig aus. Nicht einmal die Zulassung neu entwickelter Arzneimittel ist sicher.

Im Juristisch-Theologischen Kolloquium sollen Pro- und Contra diskutiert werden.


Zur Person: Professor Dr. Günter Virt, geb. 1940, ist römisch-katholischer Geistlicher und emeritierter Professor für Moraltheologie. Nach dem Abitur studierte er zunächst Pharmazie und katholische Theologie an der Universität Wien. 1967 legte er in Innsbruck das Lizentiat der Philosophie ab. 1965 wurde er zum Priester geweiht. Nach einer mehrjährigen seelsorgerischen Tätigkeit wurde er 1970 an der Universität Wien zum Dr. theol. promoviert, 1970 Assistent am Institut für Moraltheologie in Wien. Im Jahr 1981 habilitierte er sich im Fachbereich katholische Theologie an der Universität Tübingen mit der Arbeit "Epikie - Verantwortlicher Umgang mit Normen. Eine historisch-systematische Untersuchung zu Aristoteles, Thomas Von Aquin und F. Suarez. 1981 Professur für Moraltheologie Paderborn. 1983 wechselte er nach Salzburg und 1986 als Ordinarius für Moraltheologie an die katholisch-theologische Fakultät der Universität Wien. Dort wirkte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006. 1993 wurde Günter Virt Direktor des Senatsinstituts Ethik und Recht in der Medizin, das er seit 2011 als stellvertretender Vorstand leitet. Er ist Mitglied der Bioethikkommission beim österreichischen Bundeskanzleramt und der European Group on Ethics in Science and New Technologies in Brüssel. Günter Virt hat zahlreiche Schriften zur Biopolitik, Biomedizin und ethischen Auseinandersetzung mit der Stammzellenforschung veröffentlicht. Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Zur Person: Dr. Arno Hartmann, geb. 1960, ist globaler Leiter der Patentabteilung Pharma (Patents Pharmaceutical) der Merck KGaA in Darmstadt. Sein Studium der Chemie an der Universität Gießen schloss er im Jahre 1987 mit dem Diplom ab. Es folgte eine Dissertation zu einem Thema auf dem Gebiet der organischen Chemie. Im Jahr 1990 wurde Arno Hartmann von der Universität Gießen zum Dr. rer. nat. promoviert. Sein hauptsächliches Interesse galt dem Gebiet der metallorganisch unterstützten Synthese kleiner Moleküle und molekularer Biologie. 1990 trat er als Referent in die Patentabteilung def Merck KGaA in Darmstadt ein. 1997 wechselte er von der Patentabteilung zur Lizenzabteilung und danach für einige Zeit zum Bereich Geschäftsentwicklung (Business Development), bevor er im Juli 2000 zum Leiter der neugegründeten Einheit Patents Pharmaceutical ernannt wurde. Er ist Experte auf dem Gebiet Patentrecht und Lizenzen. Seine technische Expertise umfasst unter anderem die Biotechnologie. Als Leiter der Patentabteilung Pharma ist er für sämtliche nationalen und internationalen Vertragsangelegenheiten im Phamabereich einschließlich Patentrechtsstreitigkeiten verantwortlich, die Patente betreffen oder patentrechtlich zu betreuen sind. Dr. Arno Hartmann ist mit zahlreichen Vorträgen zu ausgewählten Themen des Patentrechtes, zu Due Diligence-Verfahren, Patentstrategien sowie der Lizenzierung und Verwertung von Patenten hervorgetreten.