11. Juli 2007
"Menschenrechte und Volkssouveränität: Eine europäische Perspektive"
Ein Vortrag von Frau Dr. Dr. h. c. Gret Haller, Frankfurt am Main
um 18.00 Uhr c.t. im großen Sitzungssaal der BHF-BANK AG, Bockenheimer Landstraße 10, Eingang Oberlindau 2, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeit besteht im Parkhaus Alte Oper.
Vor dem Vortrag lädt die BHF-BANK AG zu einem kleinen Umtrunk ein.


Zur Person: Gret Haller promovierte 1973 an der Universität Zürich mit einer Dissertation über die UNO-Menschenrechtspakte. Sie war Sachbearbeiterin für die Europäische Menschenrechtskonvention im Eidg. Justiz- und Polizeidepartement und arbeitet dann als Rechtsanwältin. Später wurde sie Berufspolitikerin, bis 1988 in der Berner Stadtregierung und im Schweizerischen Parlament, das sie 1993/1994 präsidierte. Danach vertrat sie die Schweiz als Botschafterin beim Europarat in Strassburg. 1996 - 2000 arbeitete sie im Auftrag der OSZE als Ombudsfrau für Menschenrechte in Sarajevo. Ihre dortige Erfahrung wertete sie später als Publizistin aus. 2004 verlieh ihr die Universität St. Gallen für diese Arbeit und den Einsatz für die Menschenrechte das Ehrendoktorat. Seit Wintersemester 06/07 ist Gret Haller Gastwissenschaftlerin am Institut für Kriminalwissenschaft und Rechtsphilosophie der Universität Frankfurt, seit Sommersemster 07 Lehrbeauftragte. Letzte Publikationen: Die Grenzen der Solidarität. Europa und die USA im Umgang mit Staat, Nation und Religion, Berlin 2002; Politik der Götter. Europa und der neue Fundamentalismus, Berlin 2005 (frühere Publikationen www.grethaller.ch)

Zum Vortrag: Im Verfassungsmodell der Aufklärung bedingen sich Menschenrechte und Volkssouveränität gegenseitig. Darauf basiert das aufklärerische, herrschaftsbegründende Verfassungsverständnis. Seit den großen Revolutionen hat sich jedoch immer auch ein vorrevolutionäres Verständnis halten können, wonach die Freiheitsrechte den Rechtsunterworfenen durch die Herrschenden gewährt werden. Das daraus resultierende Verfassungsverständnis ist ein herrschaftsbegrenzendes. Beide Konzepte der Konstitutionalisierung haben immer nebeneinander bestanden und sich gegenseitig beeinflusst. Die Unterscheidung zwischen den beiden Typen der Konstitutionalisierung gewinnt heute erneut an Aktualität. Zum einen haben verschiedene Interventionen in Krisenregionen, welche in den vergangenen Jahren initiiert worden sind, eine damit zusammenhängende Problematik aufgezeigt. Der Vorstellung, Menschenrechte könnten von außen an ein ganzes Volk herangetragen werden, welche diese Interventionen immer mitbegründet haben, liegt nämlich weit mehr das herrschaftsbegrenzende Verfassungsverständnis zugrunde als das herrschaftskonstituierende. Zum anderen führt die seit Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte Internationalisierung des Menschenrechtsschutzes zu neuen Herausforderungen.