12. März 2014
"Beweisrechtliche Fragen der Unternehmenscompliance im Schnittfeld von Wirtschaftsstraf-, Arbeits- und Verfassungsrecht"
Ein Vortrag von Herrn Richter am OLG Professor Dr. Matthias Jahn, Frankfurt am Main

um 18.00 Uhr c.t. im Haus am Dom, Domplatz 3, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen im Parkhaus Römer (Domstraße 1), Konstabler (Töngesgasse 8), Hauptwache (Kornmarkt 10), oder Alt-Sachsenhausen (Walter-Kolb-Straße 16).

Zum Referenten: Prof. Dr. Matthias Jahn, geb. 1968 in Frankfurt, Studium, Promotion und Habilitation ebenda, nach Tätigkeiten als Strafverteidiger, Staatsanwalt in Frankfurt mit einem Dezernat für Organisierte Kriminalität und Abordnung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das BVerfG 2005-2013 Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (zwischenzeitlich Rufe an die Universitäten Rostock und Hannover), seit 2010 Leiter der Forschungsstelle für Recht und Praxis der Strafverteidigung (RuPS), seit dem Sommersemester 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie an der Goethe-Universität Frankfurt, seit 2005 Richter im Nebenamt am OLG Nürnberg. Mitherausgeber der Zeitschriften Strafverteidiger (StV), Zeitschrift für Wirtschaftsstrafrecht und Haftung im Unternehmen (ZWH) und Sport und Recht (SpuRt). Forschungsschwerpunkte: Prozessuales und materielles Wirtschaftsstrafrecht (Verständigung in Strafsachen, Compliance), Strafverfahrensrecht in Theorie und Praxis, im materiellen Strafrecht insbes. Rechtfertigungsgründe, Anschlussdelikte und Sportstrafrecht.

Zum Vortrag: "Unternehmenscompliance" oder gar "Criminal Compliance" sind heute nicht nur die Großbegriffe des deutschen Wirtschaftsstrafrechts, sondern funktionieren zugleich wie eine Black Box. Jeder legt dem Begriff rechtliche, wirtschaftsethische oder moralische Anteile in dem Maße bei, wie er es für individuell vertretbar oder wünschenswert hält. Ausgehend von der Theorie mittelbarer Drittwirkung der Grundrechte im Zivil- und Arbeitsrecht will der Vortrag versuchen, die verfassungsrechtlichen Grundlagen dieser Diskussion zu systematisieren. Einschlägige Beweiserhebungs- und Verwertungsverbote werden zunächst auf der "Primärebene" des Arbeits- und Zivilrechts durchmustert, um vor diesem Hintergrund Fragen der Beweisverwertung im Strafprozessrecht bei Erhebungen durch Privatpersonen durch sog. unternehmensinterne Erhebungen ("internal investigations") auf der strafrechtlichen "Sekundärebene" anzusprechen. Es sollen also alle drei großen juristischen Fachsäulen – Öffentliches Recht, Zivilrecht und (dem ultima ratio-Grundsatz entsprechend) Strafrecht – in einen intradisziplinären Diskurs einbezogen werden.