13. Juni 2006
Juristische Methodenlehre und richterliche Pragmatik
Ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Winfried Hassemer, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Karlsruhe
um 18.00 Uhr c.t. im großen Sitzungssaal der BHF-BANK AG, Bockenheimer Landstraße 10, Eingang Oberlindau 2, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeit besteht im Parkhaus Alte Oper.
Vor dem Vortrag lädt die BHF-BANK AG zu einem kleinen Umtrunk ein.


Zur Person: Geb. 17.2.1940 in Gau-Algesheim/Rhein, Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg, Genf und Saarbrücken (1959-63); Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Rechts- und Sozialphilosophie der Universität des Saarlandes (1964-69); Promotion zum Dr. jur. (1967); Assessorexamen (1970); Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Rechtsphilosophie der Universität München (ab 1970); Habilitation für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie in München (1972); Professor für Rechtstheorie, Rechtssoziologie, Strafrecht und Strafverfahrensrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main (seit 1973); Berufungen nach Bielefeld (Nachfolge Werner Maihofer) und München (Nachfolge Arthur Kaufmann), beide abgelehnt; langjähriges Vorstandsmitglied in der Deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie sowie in der Vereinigung für Rechtssoziologie; Senator der Max-Planck-Gesellschaft; Hessischer Datenschutzbeauftragter (1991-96); seit 1996 Richter des Bundesverfassungsgerichts (Zweiter Senat); seit 2002 Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts und Vorsitzender des Zweiten Senats; Dr. jur. h. c. der Aristoteles-Universität Thessaloniki (1998), der Bundesuniversität Rio de Janeiro (2001), der Universität Lusíada Lissabon (2004), der Universität Pablo de Olavide Sevilla (2005); Protagonista della Cultura Giuridica Europea der Universität Florenz (2001), Honorarprofessor der Renmin Universität Peking (2005).

Zum Vortrag: Die juristische Methodenlehre gilt als Brücke zur Sicherstellung einer Bindung des Richters an das Gesetz und damit zur Gewährleistung der Gewaltenteilung im Rechtsstaat. Diese Brücke trägt nicht wirklich. Die Regeln der Methodenlehre sind zwar vernünftig und in kodifizierten Systemen gar zwingend; sie werden der Komplexität richterlichen Handelns aber nicht gerecht. Richterliche Pragmatik folgt einem System von Regeln, die eine Bindung des Richters an das Gesetz befördern wollen, die Ordnung schaffen und sanktioniert sind. Diese Regeln sind derzeit nur undeutlich sichtbar; sie sollten systematisch erforscht werden, damit wir erfahren, was eine sachnahe juristische Methodenlehre ist und was sie leistet.