16. Januar 2003
Europäische Genossenschaft und Reform des Genossenschaftsgesetzes
Ein Vortrag von Professor Dr. Dr. h. c. Reiner Schulze, Münster
im Plenarsaal der Eurohypo AG, Eingang via Deutsche Bank AG, Große Gallusstraße 10-14, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeit besteht im Parkhaus Junghofstraße.

Zur Person: Professor für Deutsches und Europäisches Zivilrecht an der Universität Münster seit 1994; Richter am OLG Hamm; Direktor des Centrums für Europäisches Privatrecht, des Instituts für Genossenschaftswesen und des Instituts für Rechtsgeschichte in Münster; Mitglied der Akademie Europäischer Privatrechtswissenschaftler Pavia; Mitherausgeber der Zeitschrift für Europäisches Privatrecht (ZEuP) und der Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte (ZNR) sowie der Schriften zum Europäischen Privatrecht und der Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte. - Geb. 1948; Promotion 1976, Habilitation 1983 in Frankfurt am Main; Universitätsprofessor für Bürgerliches Recht, Deutsche und Neuere Europäische Rechtsgeschichte in Trier 1989 - 1994 - Forschungsschwerpunkte: Europäisches Wirtschafts- und Verbraucherrecht; Allgemeines Schuldrecht (insbesondere Leistungsstörungs- und Schadensersatzrecht); Genossenschafts- und Franchiserecht; Europäische Privatrechtsgeschichte.

Gegenstand des Vortrags: Die Genossenschaft gehört entgegen einem verbreiteten Vorurteil zu den wichtigsten rechtlichen Organisationsformen moderner wirtschaftlicher Kooperation. Nicht nur für das Kreditwesen (Volks- und Raiffeisenbanken) und den Wohnungsbau hat sie große Bedeutung. Auch in weiteren Wirtschaftszweigen dient sie Unternehmen zur Bündelung von Ressourcen in branchenbezogenen oder -übergreifenden Netzwerken und zum Outsourcing von Aufgaben außerhalb der jeweiligen Kernkompetenzen. In jüngster Zeit haben sich neue Formen der Genossenschaft entwickelt (z. B. für freie Berufe und "virtuelle Genossenschaften"). Auf europäischer Ebene wird der Europäischen Aktiengesellschaft jetzt als weitere Rechtsform des Gemeinschaftsrechts die Europäische Genossenschaft (Societas Cooperativa Europeae - SCE) folgen, so dass die Genossenschaft auch für den grenzüberschreitenden Verkehr im Binnenmarkt Bedeutung erlangen wird. Die Europäische Genossenschaft unterscheidet sich von der Genossenschaft deutschen Rechts u. a. durch die Möglichkeit, Investorenmitglieder und einfachere Leitungsstrukturen zuzulassen. Vor dem Hintergrund der neuen europäischen Regelungen befasst sich der Vortrag mit der Frage, ob sich damit die Herausforderung zu einer Reform des deutschen Genossenschaftsrechts verstärkt und wie das Potential dieser Rechtsform für die heutigen Bedürfnisse wirtschaftlicher Kooperation stärker genutzt werden kann.