17. März 2011
"Nürnberg und die Zukunft des Völkerstrafrechts"
Ein Vortrag von Herrn Professor Dr. Christoph J. M. Safferling, LL.M. (LSE), Marburg
um 18.00 Uhr c.t. im großen Sitzungssaal der BHF-BANK AG, Bockenheimer Landstraße 10, Eingang Oberlindau 2, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeit besteht im Parkhaus Alte Oper.
Vor dem Vortrag lädt die BHF-BANK AG zu einem kleinen Umtrunk ein.


Zur Person: Professor Dr. Christoph Safferling, LL.M., *1971, studierte Rechtswissenschaften in München und London. Er wurde im Jahr 1999 an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Das 2. Juristische Staatsexamen legte er ebenfalls in München im Jahr 2000 ab. Als wissenschaftlicher Assistent an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg habilitierte er sich 2006 und erhielt die venia legendi für die Fächer Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht, Völkerrecht und Rechtsvergleichung. Seit 2006 ist er Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht an der Philipps-Universität Marburg und einer der Direktoren des dortigen Forschungs- und Dokumentationszentrums für Kriegsverbrecherprozesse. Außerdem ist er Whitney R. Harris International Law Fellow am Robert H. Jackson Center in Jamestown, New York. Zudem ist er Mitglied des Beirates der Stadt Nürnberg für die Errichtung des "Memoriums Nürnberger Prozesse" und Sprecher der Gründungskommission "Akademie Nürnberger Prozesse". Er ist Mitherausgeber des German Law Journal und der Revista Internationale di Dritto Penale.

Zum Vortrag: Völkerstrafrecht ist eine vergleichsweise junge Rechtsmaterie. Zum ersten Mal wurden im Nürnberger Prozess die deutschen Hauptkriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Nachdem fast 50 Jahre lang das Völkerstrafrecht in der Praxis keine Rolle gespielt hat und in der Wissenschaft nur eine Randerscheinung war, hat sich dies seit der Errichtung des Jugoslawienstrafgerichtshof im Jahr 1993 und des Internationalen Strafgerichtshofs im Jahr 1998 ins Gegenteil verkehrt. Die Völkergemeinschaft ist auf dem Weg, eine umfassende Internationale Strafjustiz zu errichten, die auf Kooperation zwischen internationalen Gerichtshöfen und nationalen Justizsystemen baut. 65 Jahre nach dem Urteil von Nürnberg ermittelt der Generalbundesanwalt in Afrika und klagt Völkerrechtsverbrechen vor verschiedenen Oberlandesgerichten, u. a. in Frankfurt, an. Dabei eilt die Praxis weit voraus und die Fragen der Legitimität und der gesellschaftlichen Akzeptanz des Völkerstrafrechts sind seit Nürnberg ungeklärt. Dabei sind viele Probleme damals wie heute ähnlich. Die Zukunft des Völkerstrafrechts liegt auch in Nürnberg begründet.