20. März 2013
"Die Haftung von Wirtschaftsprüfern und Ratingagenturen: Lektionen der Krise"
Ein Vortrag von Herrn Professor Dr. Gerhard Wagner, Bonn
um 18.00 Uhr c.t. im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, 2. OG, Neue Mainzer Str. 49, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen im Parkhaus Junghofstraße oder Goetheplatz.

Zur Person: Jahrgang 1962, 1987 erste, 1992 zweite juristische Staatsprüfung; 1989 Promotion, 1997 Habilitation an der Universität Göttingen; 1995 LL.M., University of Chicago Law School; seit 1999 Professor für Deutsches und Europäisches Privat- und Verfahrensrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Bonn; Rufe nach Hamburg, Zürich, Freiburg und München; seit 2008 Ehrenprofessor, Renmin Universität, Beijing; seit 2009 Professor of Fundamentals of Private Law, Erasmus-Universität Rotterdam. 2010-11 Visiting Professor of Law, University of Chicago Law School. Ordentliches Mitglied der Académie Internationale de Droit Comparé;  Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Zivilrechtslehrervereinigung und der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentags; Mitherausgeber des Archiv für die civilistische Praxis und der Zeitschrift für europäisches Privatrecht. Forschungsschwerpunkte: Haftung und Schadensersatz; Prozessführung im nationalen und internationalen Maßstab; Alternative Streitbeilegung; Ökonomische Analyse des Rechts.

Zum Vortrag: Die Finanzkrise der Jahre 2008/2009 hat zu einem Schub an Regulierung für den Finanzsektor geführt, insbesondere für Kreditinstitute und Kapitalanlagegesellschaften. Obwohl allenthalben das Postulat formuliert worden ist, den durch globale Finanzmärkte erweiterten Handlungsmöglichkeiten und Gewinnchancen müsse eine entsprechende Verantwortung – sprich: Haftung – korrespondieren, ist das Haftungsrecht praktisch unangetastet geblieben. Tatsächlich ist es mit Regulierung allein nicht getan, denn mit Hilfe administrativer Eingriffe lassen sich bekannte Risiken eindämmen, nicht jedoch die nächste Krise vermeiden, die (ganz) anders sein wird als die vorherige. Wie die Aufarbeitung der Ursachen der jüngsten Krise gezeigt hat, sind die Probleme auch nicht allein durch Banken verursacht wurden. Vielmehr sind auch die sog. Informationsintermediäre oder Gatekeeper, nämlich Wirtschaftsprüfungsunternehmen und Ratingagenturen, unter ihren Möglichkeiten geblieben. Die amerikanische Regierung hat deshalb jüngst die Ratingagentur Standard&Poor's wegen der Fehlbewertung hypothekenbasierter Wertpapiere auf einen Betrag in Höhe von mehreren Milliarden Dollar verklagt. Vor diesem Hintergrund erscheint es reizvoll, die für Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen maßgebenden  Haftungsregeln des geltenden Rechts auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen und ggf. den Spielraum für eine Verschärfung der Haftung auszuloten. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei nicht der Schadensausgleich, sondern die Verbesserung der verhaltenssteuernden Funktion des Haftungsrechts im Interesse der Schadens- bzw. Krisenprävention.