23. Juni 2016
Eine Kooperation der Frankfurter Juristischen Gesellschaft und des Instituts für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie der Goethe-Universität veranstalteten wir einen Vortrag zum Thema

"Mein Wagen fuhr zu schnell, nicht ich!"
Zur rechtlichen Verantwortung für intelligente Agenten."

von Frau Prof. Dr. Sabine Gless
um 18.00 Uhr c.t. im Hörsaalzentrum / HZ 11 (3. Stock) der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main
ÖPNV: U1, U2, U3, U8 oder Buslinie 36, Haltestelle Holzhausenstr. (siehe beigefügten Lageplan als pdf-Datei). Für Autofahrer bestehen Parkmöglichkeiten in den Parkhäusern Grünhof (Eschersheimer Landstr. 168) und Palmengarten (Siesmeyerstr. 61) und auf dem Parkplatz Siesmeyerstraße (Siesmeyerstr. 66).

Zur Referentin: Sabine Gless ist Professorin für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Basel. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Strafverfahrensrecht und im Internationalen Strafecht. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich mit Strafverfolgung im Bereich digitaler Technologien. Einschlägige Veröffentlichungen untersuchen die Probleme der Strafverfolgung im Internet ( ZStrR 2012, 3 ff.), den Schutz virtueller Währungen (Was ist Geld? Und warum schützt man es?: Zum strafrechtlichen Schutz von virtuellen Währungen am Beispiel von Bitcoin, recht 2015, 82 ff., zusammen mit Kugler/Stagno), das Verhältnis von „Strafrecht und Intelligenten Agenten“ (ZStW 126 [2014], 561 ff. zusammen mit Weigend), insbesondere mit Blick auf das automatisierte Autofahren (If Robots Cause Harm – Who Is to Blame? A German Perspective on Self-Driving Cars and Criminal Liability, zusammen mit Silverman/Weigend, New Criminal Law Review, forthcoming).

Zum Vortrag: Die zunehmende Automatisierung des Autofahrens, verbunden mit der Vision vollständig autonomer Autos, stellt das Recht vor neue Herausforderungen: Wer ist schuld, wenn ein Tempomat die Geschwindigkeit überschreitet? Oder wenn ein Roboterauto ein Kind überrollt? Die möglichst klare Zuweisung von Verantwortung ist ein Grundanliegen rechtlicher Regelung, um geschützte Interessen vor Beeinträchtigung zu bewahren. Dass bedeutsame technologische Innovationen oft Konzepte rechtlicher Verantwortlichkeit in Frage stellen, zeigt sich heute am Übergang von hochautomatisiertem zu autonomem Autofahren, wenn sich die rechtliche Verantwortung für unfallfreies Fahren von „Fahrern“ zu „Betreibern“ von KfZ verschiebt. Wenn künftig letztere für die Produktsicherheit in einer Art von Gefährdungshaftung einstehen müssten, fehlen insbesondere im Strafrecht passende Rechtskonzepte. Insgesamt wirft die Digitalisierung unserer Lebenswelt grundsätzliche Fragen auf: Wem gehören die durch die Benutzung intelligenter Technologie generierten Daten? Wer ist für deren Sicherheit zuständig? Darf – und kann – sich ein Roboterauto in einer Dilemma-Situation auf entschuldigenden Notstand berufen?