29. Februar 2012
"Das Europabild der Rechtsgeschichte. Gedanken anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Coing"
Ein Vortrag von Herrn Professor Dr. Thomas Duve, Frankfurt am Main
um 18.00 Uhr c.t. im Haus am Dom. Domplatz 3. Frankfurt am Main. Parkmöglichkeiten bestehen im Parkhaus Konstabler (Töngesgasse 8), Hauptwache (Kornmarkt 10) oder Alt-Sachsenhausen (Walter-Kolb-Straße 16). Das Parkhaus Römer ist zurzeit wegen Bauarbeiten geschlossen.

Zur Person: Thomas Duve ist seit 2009 Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft, seit 2010 Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe Universität. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Rechtsgeschichte, Mitherausgeber des Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas und des forum historiae iuris, sowie Mitglied in verschiedenen Beir&au#ten von Zeitschriften und wissenschaftlichen Institutionen. Er ist Principal Investigator des Frankfurter Excellenzclusters "Herausbildung normativer Ordnungen" sowie Sprecher des LOEWE-Schwerpunkts "Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung". Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Rechtsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne.

Zum Vortrag: Europas Zukunft ist das vielleicht am meisten erörterte Thema dieser Monate. Mit den Sorgen um die Zukunft wuchs auch die Frage nach dem, was Europa eigentlich ausmacht. Juristen sehen die europöische Identität nicht zuletzt in einer historisch gewachsenen Vorstellung vom Recht, seiner Autonomie und Bedeutung in einer funktional differenzierten Gesellschaft. Der beispiellose politische und rechtliche Integrationsprozess im Nachkriegseuropa wird dabei in die Tradition einer Europäischen Rechtsgeschichte eingeschrieben, in der sich eine Europäische Rechtskultur herausgebildet habe, die ein hohes Maß an Einheitlichkeit nach innen und von Differenz nach außen aufweist. Wohl kaum ein Rechtswissenschaftler stand - und steht gerade in der internationalen Wahrnehmung noch immer - so sehr für diese Vorstellung einer distinkten "Europäischen Rechtsgeschichte" wie der im Jahr 2000 verstorbene Helmut Coing: Frankfurter Rechtswissenschaftler, Autor und Herausgeber bis heute viel benutzter und übersetzter Nachschlagwerke zur Europäischen Privatrechtsgeschichte der Neuzeit - und als Präsident der Rektorenkonferenz, des Wissenschaftsrats und Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte zugleich einflussreicher Wissenschaftsmanager der Bonner Republik.

Sein hundertster Geburtstag am 28. Februar 2012 legt es nahe, sein Werk wissenschaftsgeschichtlich zu verorten und sich insbesondere über seine Vorstellung einer "Europäischen Rechtsgeschichte" zu verständigen. Können wir unser Europabild auch heute noch auf der von ihm und seiner Generation geprägten Grundlage aufbauen? Wo können wir anknüpfen, wo setzen wir heute neue Schwerpunkte? Was für ein Europabild lässt sich heute zeichnen?