30. Juni 2008
"Fritz Bauer (1903-1968). Eine Biographie"
Ein Vortrag von Frau Privatdozentin Dr. Irmtrud Wojak, Bad Arolsen
um 18.00 Uhr c.t. im großen Sitzungssaal der BHF-BANK AG, Bockenheimer Landstraße 10, Eingang Oberlindau 2, Frankfurt am Main. Parkmöglichkeit besteht im Parkhaus Alte Oper.
Vor dem Vortrag lädt die BHF-BANK AG zu einem kleinen Umtrunk ein.


Zur Person: Frau Dr. Wojak ist Historikerin und Leiterin des Bereichs Forschung beim International Tracing Service (IST), Bad Arolsen. Sie studierte an der Ruhr-Universität Bochum Geschichte, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft. Sie promovierte zum Dr. phil. mit einer Studie über das Exil jüdischer Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus in Chile. Daran schlossen sich zahlreiche Forschungsaufenthalte und Fellowships in Lateinamerika (Argentinien, Chile, Uruguay), in Israel, den USA und in den Niederlanden an. Von 1996 bis 2007 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und zeitweise stellvertretende Leiterin am Fritz Bauer Institut (Frankfurt am Main), wo sie mehrere Studien zur nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik herausgab, u. a. eine viel beachtete Studie über "Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay". Sie hat in den Jahren 2001-2003 die Gedächtnis- und Wanderausstellung über den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965) konzipiert (Frankfurter Bürgerhaus Gallus, Martin Gropius-Bau in Berlin, Justizpalast in München). Der umfassende Ausstellungskatalog erschien 2004 im Snoeck-Verlag (Köln/Gent) unter dem Titel "Auschwitz-Prozess. 4 Ks 2/63. Frankfurt am Main". Im Anschluss an die Ausstellung verfasste sie eine Biographie des ehemaligen hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer (1903-1968), mit der sie sich 2007 am historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover habilitierte. Die Biographie erscheint 2008 im C. H. Beck-Verlag, München.

Zum Thema: m Mittelpunkt steht der Lebensweg des 1903 in Stuttgart geborenen deutsch-jüdischen Juristen und Justizreformers Fritz Bauer und sein Lebenswerk: der Wiederaufbau einer demokratischen Justiz nach 1945 und die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen. Der hessische Generalstaatsanwalt musste zur Durchführung der großen Zahl von NS-Verfahren, die er an seiner Behörde übernahm, innerhalb und außerhalb der eigenen Zunft viele Hemmnisse und politische Gegenwehr überwinden. Eine "Erfolgsgeschichte" war die Aufarbeitung der NS-Justiz und der Verbrechen der SS-Täter nicht. Die von F. Bauer initiierten Auschwitz-Prozesse und Verfahren wegen der NS-Justiz sind insofern umso mehr Marksteine des Wiederaufbaus eines demokratischen Deutschland.